Mehrsprachige Websites für internationalen Erfolg

oder: Warum es nicht reicht, eine rein englischsprachige Internetpräsenz zu haben

Die englische Sprache dominiert das Internet in allen Bereichen und so liegt der Gedanke nah, dass man mit einer Website in der „Weltsprache“ alle User erreichen kann. Vor allem viele kleinere und mittlere Unternehmen in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien verzichten immer noch auf eine Übersetzung in andere Sprachen und bleiben so häufig – ungewollt – lokale Anbieter.

Der Common Sense Advisory’s report „Can’t Read, Won’t Buy“ (Februar 2014) beleuchtet genau dieses Phänomen und hat hierfür 3.002 Konsumenten in zehn Ländern befragt, 300 davon in Deutschland. Die Ergebnisse sind höchst aufschlussreich.
Die Kernaussage der Umfrage ist, dass die Menschen im Netz nichts kaufen, was sie nicht verstehen. „Offline“ ist es sicher ähnlich, allerdings kommt es hier seltener zu einer Kollision aus Angebot und Sprachbarriere.

Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage

Der Common Sense Advisory‘s report beleuchtet die Beweggründe für oder gegen den regelmäßigen Besuch englischsprachiger Websites, und das jeweils für 10 Nationen. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse der sehr umfangreichen Befragung
kurz zusammengefasst und beschränken uns dabei auf Deutschland, Frankreich und Spanien.

19 Prozent der deutschen Befragten fühlen sich im Lesen englischer Texte „sicher“, 29 Prozent bezeichnen ihre Kenntnisse als „gut“. Die restlichen 52 Prozent geben ihre Englischfähigkeiten als „unvollständig“ oder „unzureichend“ an oder können überhaupt kein Englisch. In Frankreich ist die Aufteilung sehr ähnlich, in Spanien ist die Englischkompetenz laut Selbsteinschätzung ein bisschen höher als bei uns: 54 Prozent fühlen sich dort „sicher“ bis „gut“.

Noch eindeutiger sind die folgenden Zahlen:
Während sich 48 Prozent der Internetnutzer in Deutschland eigentlich gut genug im Englischen zurechtfinden, besuchen nur 15 Prozent der deutschen Befragten englische Websites tatsächlich regelmäßig. Lediglich 5 Prozent geben an, dass sie den ganzen Tag auf englischen Sites unterwegs sind.

Fragt man die Teilnehmer der Umfrage nach ihrem Kaufverhalten, wird das Bild, das sich bisher ergeben hat, noch untermalt.
Nur 4 Prozent der deutschen Befragten kaufen „meistens“ auf englischsprachigen Websites, 25 Prozent geben an, „einiges“ auf diesen Websites zu kaufen, doch die Mehrheit von 71 Prozent kauft „selten bis nie“ auf englischsprachigen Websites. Laut Umfrage sind 72 Prozent der Franzosen „selten bis nie“ Einkäufer auf englischsprachigen Sites, in Spanien sind es „nur“ 50 Prozent.

Sobald die englischen Inhalte komplizierter werden und es ans „Eingemachte“ geht, springen die User aus dem Ausland ab: Echte Hürden bei der Kaufentscheidung sind daher Versand- und Lieferbedingungen oder Gebrauchsanweisungen in einer Fremdsprache. Für den After-Sales-Bereich sind die Zahlen noch aufschlussreicher – das Gros der User (70-80 Prozent) lässt sich viel leichter zum Kauf auf einer englischsprachigen Website motivieren, wenn der zugehörige Kundenservice auch die entsprechende Muttersprache spricht.

Fazit

Die Ergebnisse sind eindeutig: „Cant‘ read, Won’t Buy“ ist der rote Faden, der sich durch die Umfrage zieht. Die Mehrzahl der potentiellen Online-Kunden möchte in ihrer Muttersprache bedient werden.
Tatsächlich gibt es einen signifikanten Unterschied zwischen dem Surfverhalten und dem tatsächlichen Kauf auf englischsprachigen Websites. Aus Unternehmenssicht mag der reine Besuch der Firmenwebsite zwecks Corporate Branding zwar in einigen Fällen bereits ausreichend sein; die meisten Unternehmen möchten jedoch ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen und wünschen sich, dass die User auch mit ihnen in Kontakt treten. Hierfür ist es wichtig, die Unternehmensseite in diverse Sprachen zu lokalisieren.

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