Kulturelle Adaption: Wenn eine normale Übersetzung nicht genügt

„Mit einem Übersetzungsprogramm und einem guten Wörterbuchs kann ich alles übersetzen.“ Mit dieser Aussage werden Übersetzer häufiger konfrontiert. Sie ist auch nicht mehr ganz von der Hand zu weisen. Obgleich noch mit einer hohen Fehlerquote behaftet, sind Übersetzungsprogramme bereits in der Lage, einfache Texte so zu übersetzen, dass sie immerhin verstanden werden. Wenn die so erstellte Übersetzung anschließend unter Berücksichtigung des Ausgangstextes korrekturgelesen wird, kann das Ergebnis durchaus niedrigeren Ansprüchen genügen. Für jegliche höhere Erwartungen empfiehlt es sich jedoch, die Unterstützung eines professionellen Übersetzungsdienstleisters in Anspruch zu nehmen. Warum?

Sollen Produkttexte zwecks Erschließung neuer Märkte übersetzt werden, genügt es nicht, dass die Übersetzung korrekt ist. Fast genauso wichtig ist, dass sie an das Zielland, bzw. die Zielgruppe angepasst wird- was in Deutschland gut ankommt, muss in Indien nicht zwingend funktionieren. Diese Anpassung nennt man kulturelle Adaption oder Transkreation. Bei der Übertragung eines Textes in die Zielsprache werden hierbei zielgruppenspezifische, d.h. meist kulturelle und geographische Aspekte berücksichtigt. Dies zu unterlassen, kann den Einstieg in einen neuen Markt kosten.

Ein Beispiel: Ein Kochrezept soll ins Spanische übersetzt werden. Bei einer Standardübersetzung wird der Begriff „Rapsöl“ mit „aceite de colza“ übersetzt. Bei einer Transkreation hingegen wird der spanische Fachübersetzer den Begriff beispielsweise mit „aceite de oliva“ (also „Olivenöl“) übersetzen, weil Rapsöl aufgrund einer Massenvergiftung durch verunreinigtes Rapsöl im Jahr 1981 in Spanien einen sehr schlechten Ruf genießt.

Im Lebensmittelbereich sind in vielen Ländern auch religiöse Speisevorschriften zu berücksichtigen, die von der Bevölkerungsmehrheit befolgt werden. Religiös-kulturelle Prägungen betreffen jedoch auch andere Bereiche: So ist in Ostasien der Aberglaube sehr weit verbreitet, dass bestimmte Zahlen Unglück bringen. In der Übersetzung einer Bauanleitung sollten daher beispielsweise die Zahlen „4“, „13“ und „14“ vermieden werden.

Insbesondere in der Werbung geht es jedoch um weit mehr: Werbetexte, Produktnamen, Claims und Slogans sollen bestimmte positive Assoziationen und Gefühle wecken. Vorsicht ist hier besonders bei Produktnamen geboten. Es sollte unbedingt geklärt werden, ob diese beibehalten oder transkreiert werden sollen. Nicht immer sollte nämlich bei der Einführung eines Produkts in den neuen Markt der ursprüngliche Produktname beibehalten werden. Ein Beispiel ist der irische Whiskeylikör „Irish Mist“ („Irischer Küstennebel“), der unter dieser Produktbezeichnung auch in Deutschland eingeführt werden sollte – verständlicherweise mit überschaubarem Erfolg.

Damit kulturelle Besonderheiten in der Übersetzung adäquat berücksichtigt werden können, ist es essentiell, dem Übersetzungsdienstleister möglichst viele Hintergrundinformationen zum Produkt und der anvisierten Zielgruppe zu übermitteln. So kann das Übersetzerteam den Text individuell an die Zielgruppe anpassen – damit der Einstieg in den Markt auch gelingt.

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